Programmierte Nebenwirkungen?
Vom Rosinenpicken in klinischen Studien

Vor einigen Wochen einigten sich die Herausgeber der bedeutendsten Medizin-Fachzeitschriften darauf, die Ergebnisse klinischer Studien nur noch dann abdrucken, wenn sie vor Beginn in einem öffentlichen Register eingetragen wurden. Damit setzen sie ein erstes Zeichen, dass unliebsame Daten nicht wie bisher einfach in den Archiven der Pharmafirmen verschwinden sollen.




Copyright: Erich Lederer

Im Juni 2003 interviewt die -> ZEIT Peter Schönhöfer. Der pensionierte Bremer Medizinprofessor und erfahrene Arzneimittelexperte sah die Probleme voraus, die den Pharmariesen -> Merck schließlich dazu zwingen, im September 2004 eines seiner erfolgreichsten Praparate vom Markt zu nehmen. "Der Erfolg beruhte darauf, dass man wesentliche Störwirkungen schlicht verschwieg.", so schreibt die Wochenzeitung über die Ansicht des unbequemen Pharmakologen vor 16 Monaten. Negative Ergebnisse hatten seiner Meinung nach dem Umsatz - 2,5 Milliarden Dollar allein im letzten Jahr - nur geschadet. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA rüffelte Merck schon vor fünf Jahren, weil die Firma mit einer unbewiesen hohen Vertraglichkeit warb.
Weil bei langerem Gebrauch von Vioxx das Risiko für Thrombosen und Herzinfarkte steigt, brachen die Verantwortlichen die entsprechende Studie schon vor ihrem Ende ab. Vioxx verschwand vom Markt. War das vorauszusehen? Oder war das bei diesem Medikament eine ganz normale Langzeitbeobachtung, wie sie meist erst nach der Zulassung möglich ist? Haben die Verantwortlichen bei Merck schon früher mehr gewusst als Behörden, Ärzte und Patienten?

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