Marketing bestimmt, was andere lesen dürfen


In den Krankenhäusern der Welt führten Ärzte seit 1948 etwa eine Million klinischer Studien durch. Jedoch nur etwa die Hälfte aller Ergebnisse ist in den einschlägigen Fachzeitschriften nachzulesen. Die Daten dieser Studien sind jedoch die Grundlage für Behörden, die Informationen des Arzneimittelherstellers für die Zulassung nachzuprüfen, und für Ärzte, die entscheiden sollen, ob sie das neue Medikament ihren Patienten verschreiben. Ergebnisse und Hinweise auf ernsthafte Nebenwirkungen passen aber weder in das Konzept der Marketingabteilung noch in die Veröffentlichung der Studie. Gerd Antes vom -> Deutschen Institut für Medizinische Biometrie der Universität Freiburg mutmaßt, dass es viele Präparate nicht bis in die Apotheke geschafft hätten, wären alle Nachteile und Risiken ihrer Anwendung bekannt. Trotz aller wissenschaftlicher Ethik, nach der das Verschweigen von Studienergebnissen als Verstoß gegen alle Forschergrundsätze gilt, kennen oft nur die Organisatoren und Geldgeber alle gesammelten Daten.


Ein Beispiel für die Folgen dieses Schweigens ist ein Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, Lorcainid. Bereits 1980 zeigte sich, dass die Anzahl der Todesfälle bei Lorcainid-Patienten höher als bei der Kontrollgruppe lag. Die Untersuchung wurde aus finanziellen Gründen abgebrochen, die Ergebnisse nie veröffentlicht. Erst als bei Tests in den neunziger Jahren mit ganz ähnlichen Substanzen die Sterblichkeit weit über den Erwartungen lag, tauchten auch die früheren Forschungsergebnisse wieder auf. Inzwischen hatte Lorcainid wahrscheinlich Tausende von Toten auf dem Gewissen.

Lesen Sie weiter: -> Der Eintrag in die Datenbank wird zu Pflicht

-> Vioxx und die Konsequenzen

-> Pflicht zur Registrierung

-> Tricks der Patentanmelder

-> Fachzeitschriften reagieren

-> Quellen und Links

 

 nach oben