"Me-too" Präparate und andere Tricks


Wenn jedermann einsehen kann, welche Studien eine Firma oder eine Forschergruppe beginnt, bringt ihr das nicht nur Nachteile. Die Vorinformation hilft, Parallelstudien zu vermeiden. Doppelte Arbeit und schlimmstenfalls schädliche Nebenwirkungen treten nur einmal auf. Außerdem dient sich ein solches Register auch als Werbeinstrument für Patienten. Wer weiß, dass seine Testergebnisse nicht in geheimen Archiven verschwinden, lässt sich wohl viel eher auf eine Teilnahme ein. Schließlich kann er auch nachlesen, wie sich das Medikament in bisherigen Studien geschlagen hat, und welches Risiko er eingeht, wenn er das Mittel ausprobiert.

Nicht zuletzt hilft ein solches Register auch den Ethikkommissionen, den Prüfbehörde für neue Studien, den Überblick über Studien zu einem Wirkstoff zu behalten. Beliebt sind zum Beispiel bei Pharmafirmen Studien an so genannten "me-too" Präparaten. Um den bestehenden Patentschutz für einen Wirkstoff zu umgehen, hängen die Chemiker eine Komponente an das Molekül, die keinerlei Einfluss auf die Wirksamkeit hat. Wenn die Studie dann keine schlechteren Ergebnisse als der ursprüngliche Wirkstoff zeigt, hat er bei geringerem Preis gute Chancen auf dem heiß umkämpften Arzneimittelmarkt.

Jährlich testen Ärzte in etwa 50.000 neuen Studien Medikamente und Behandlungmethoden an ihren Patienten. Ohne finanzielle Unterstützung eines Geldgebers sind große Untersuchungen - meist an vielen Kliniken gleichzeitig - kaum mehr möglich. Nur allzu häufig möchte aber der Sponsor dann auch bei der Veröffentlichung der Ergebnisse mitreden. So bestätigt zum Beispiel der niederländische Kardiologe Marteen Simoons Versuche der Industrie, negative Ergebnisse seiner Untersuchungen unter Verschluss zu halten. Ebenfalls weit verbreitet: Neugierigen und engagierten Ärzten wird der Zugang zu den kompletten Daten der Studie verweigert, um den Markterfolg des Mittels - und damit den Aktienkurs des Unternehmens - nicht zu schaden.

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