Lithium gegen die psychische Achterbahn -
nicht geliebt und doch unumstritten

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Erich Lederer

Einer unter 5000 Deutschen beendet sein Leben durch Selbstmord. Und jeder 500ste versucht es zumindest einmal. Unter den Menschen, die an manischen Depressionen leiden, ist es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO jeder Vierte, der keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht. Und doch gibt es ein Mittel, das diese Rate um etwa 85 Prozent senkt, aber von viel zu wenigen Ärzten verschrieben wird: Lithium.

Manisch depressive Menschen erleben in häufigem Wechsel eine Achterbahn der Gefühle: Einmal euphorisch mit kaum kontrollierbaren Stimmungs- und Aktivitätsphasen, kurz darauf ein tiefer Fall in das Loch voll von Pessimismus, Müdigkeit und großer Angst.

Seit mehr als dreissig Jahren wirken Lithumsalze erfolgreich als Stimmungs-Stoßdämpfer bei bipolaren Störungen - so der andere Name für die manische Depression. Dennoch weiß kaum jemand, wie dieses "Wundermittels" eigentlich wirkt. Erst in den letzen Jahren wurden aus den Spekulationen genauere Erkenntnisse, wo und wie dieses so einfach gebaute Molekül in den menschlichen Stoffwechsel eingreift.

Und doch bekommt die Lithiumtherapie gerade jetzt immer mehr Gegenwind. Von Ärzten, die die Mühe scheuen, die optimale Dosis und deren Wirkung immer wieder zu kontrollieren, und von der Pharmaindustrie. Das Patent auf als Heilmittel ist schon vor vielen Jahre abgelaufen. Und als einfaches chemisches Element kann die Verbindung nicht mehr neu patentiert werden. Das Interesse der Pharmaindustrie an Lithium ist dementsprechend gering.

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