Lithium-Molekül
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Überaktive Nervenstränge produzieren ständig Signale, die zur Steuerzentrale wandern. An der Weiterleitung dieser Signale ist auch ein Zuckermolekül beteiligt, das Inositol.

Anfangs der achziger Jahre des letzten Jahrhunderts kamen Wissenschafter darauf, dass Lithium die Zellen an der Herstellung des Inositol hindert. Eine bisher unbewiesene Spekulation erklärt die Stimmungsschwankungen bei Bipolaren Patienten mit der Überaktivität ihres Nervengeflechts: Lithium verhindert den Überschuss jener Grundsubstanz für die Erregungs-Weiterleitung und beruhigt damit die Kommandozentrale.

Tatsächlich senkt Lithium die Inositspiegel bei Bipolaren innerhalb weniger Tage. Deren Stimmungskurven ändern sich jedoch erst Wochen später. Daher "ist es sehr schwierig, diesem Befund eine Bedeutung für die Therapie zuzuschreiben" sagt Husseini Manji, Lithium-Forscher am Nationalen Zentrum für Geistesgesundheit der USA.

In den neunziger Jahren machten Wissenschaftler am Schleimpilz "Dictyostelium" eine andere Entdeckung: Lithium hemmt dessen Sporenbildung. Genau der gleiche Effekt tritt ein, wenn einen wichtigen Kreislauf-Akteur daran hindert, seiner Arbeit nachzugehen: Glycogen Synthase Kinase-3. Peter Klein, Entwicklungsbiologe in Philadelphia/USA zeigte, dass Lithium direkt an das Enzym, kurz GSK-3 genannt, bindet und es damit zur Untätigkeit verdammt. Weil GSK-3 eine dicken Ast des Stoffwechselbaums versorgt, stellt Lithium damit eine ganz Reihe von Folgereaktionen ab.

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