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Lithium-Molekül
Copyright: Erich Lederer |
Überaktive Nervenstränge produzieren ständig Signale,
die zur Steuerzentrale wandern. An der Weiterleitung dieser Signale ist
auch ein Zuckermolekül beteiligt, das Inositol.
Anfangs der achziger Jahre des letzten Jahrhunderts kamen Wissenschafter
darauf, dass Lithium die Zellen an der Herstellung des Inositol hindert.
Eine bisher unbewiesene Spekulation erklärt die Stimmungsschwankungen
bei Bipolaren Patienten mit der Überaktivität
ihres Nervengeflechts: Lithium verhindert den Überschuss jener Grundsubstanz
für die Erregungs-Weiterleitung und beruhigt damit die Kommandozentrale.
Tatsächlich senkt Lithium die Inositspiegel bei Bipolaren innerhalb
weniger Tage. Deren Stimmungskurven ändern sich jedoch erst Wochen
später. Daher "ist es sehr schwierig, diesem Befund eine Bedeutung
für die Therapie zuzuschreiben" sagt Husseini Manji, Lithium-Forscher
am Nationalen Zentrum für Geistesgesundheit der USA.
In den neunziger Jahren machten Wissenschaftler am Schleimpilz "Dictyostelium"
eine andere Entdeckung: Lithium hemmt dessen Sporenbildung. Genau der
gleiche Effekt tritt ein, wenn einen wichtigen Kreislauf-Akteur daran
hindert, seiner Arbeit nachzugehen: Glycogen Synthase
Kinase-3. Peter Klein, Entwicklungsbiologe in Philadelphia/USA
zeigte, dass Lithium direkt an das Enzym, kurz GSK-3
genannt, bindet und es damit zur Untätigkeit verdammt. Weil GSK-3
eine dicken Ast des Stoffwechselbaums versorgt, stellt Lithium damit eine
ganz Reihe von Folgereaktionen ab.
--> Erfolgslauf mit Handikap
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