Manjis Kollege De-Maw Chuang beobachtete Nerven-Stammzellen, die sich mit Lithium wesentlich häufiger als normal teilen. Diese Beobachtung und Versuche mit Laborratten lassen die Forscher von einer großen Zukunft für das winzige Molekül träumen. Ärzte hätten bei vielen Krankheiten, bei denen viele Nervenzellen verloren gehen, ein wirksames Medikament zur Hand: Lithium verhindert 80 Prozent der Verluste an Nervenzellen bei Morbus Huntingdon, dem "Veitstanz" oder auch bei schweren Schlaganfällen. Weitere Einsatzgebiete der Lithium-Waffen, die Neurologen erproben, sind Alzheimer oder die Schizophrenie.

Wenig Unterstützung bekommen sie dabei jedoch von einem sonst recht wohl gesinnten Verbündeten, der pharmazeutischen Industrie. Mangels Gewinnperspektiven aus Patenten und Lizenzeinnahmen forscht die lieber an synthetischen Stoffen, die GSK-3 ohne allzu große Nebenwirkungen hemmen. Von den Entwicklungslabors bekommt der Interessierte nur wenig Auskünfte zu Erfolgsaussichten und Einsatzterminen. Stiftungen und andere wohltätige Organisationen bezahlen die Studien der überschaubaren Anzahl der Lithiumforscher.

Denn immer noch gibt es für manisch Depressive keine echte Alternative zur Lithiumtherapie. Besonders wenige Studien gibt es zur Therapie von Bipolaren Störungen bei Kindern. Offiziell ist die Krankheit in den USA bei Kindern unter 12 Jahren mit Medikamenten nicht behandelbar.

Gerade jetzt, als unermütliche Forscher immer mehr über die Wirkungsweise von Lithium in unserem Körper erfahren, fehlt es immer mehr an Unterstützern. Dass es sich lohnt, noch mehr Mühe und Geld in Studien und Experimente mit dem Molekül zu stecken, beweist die Erfahrung eines Patienten, der erst nach vielen Irrwegen einen Arzt fand, der ihm half:

"Jetzt, nach einer dreijährigen Therapie mit Lithium, bin ich dabei, mein Leben aus einem totalen Chaos heraus, wieder neu zu gestalten. Dabei entwickele ich eine vorher nie gekannte Kreativität und Ausdauer. Ich fühle mich meistens wohl und in Frieden mit mir und meiner Umgebung. Die neu gewonnene Kraft, Freiheit und Lebensfreude erfüllen mich mit Dankbarkeit. Die "lange, dunkle Nacht der Seele" oder die "Nachtmeerfahrt" liegt hinter mir!"


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