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Morbus Crohn ist nicht zu fassen.
Schwache MobilisierungAuf eine Verletzung der Darmschleimhaut reagieren Crohn-Patienten deutlich schwächer und rekrutieren im Vergleich zu Kontrollen weit weniger Neutrophile Granulozyten. Die Wissenschaftler verglichen dabei jeweils zwei Rectalbiopsien ihrer Probanden, die sie im Abstand von sechs Stunden an der gleichen Stellen entnommen hatten. Auch Zellen mit Interleukin 8 (IL-8) auf ihrer Oberfläche kommen im Vergleich mit den Kontrollen in sehr viel geringerer Zahl im Bereich der Wunde vor. Dieses Zytokin ist ein effektiver Lockstoff für Granulozyten, den eigentlichen Bakterienkillern.Die schwache Immunabwehr beschränkt sich nicht nur auf den Darm, sondern betrifft den ganzen Körper. Den Beweis führte Segal und sein Team durch die Bestimmung einer Immunantwort auf Verletzungen der Haut. Auf eine kleine, künstlich gesetzte Hautabschürfung wanderten bei den Patienten wesentlich weniger Neutrophile in die Wunde ein, als bei gesunden Studienteilnehmern, möglicherweise aufgrund des geringeren IL-8 Spiegels. Dass Patienten mit Morbus Crohn auf eine Infektion mit Darmorganismen nur sehr träge reagieren, zeigten die Wissenschaftler, indem sie einen solchen Kontakt mit hitze-inaktivierten E.coli-Bakterien nachstellten. Subkutan injiziert, entwickelt sich rund um die Einstichstelle eine heftige Entzündung mit einer starken Schwellung, die nach etwa 48 Stunden wieder abgeklungen ist. Ganz anders dagegen bei Crohn-Patienten: Im Vergleich zu den Kontrollen erhöht sich der Blutfluss um den Infektionsherd nur geringfügig. Einkapseln statt VernichtenFür Anthony Segal und sein Team bestätigen
die Ergebnisse ihrer Versuche die Theorie, dass es sich bei Morbus Crohn
um eine zu schwache Immunantwort bei Verletzungen der Darmschleimhaut
handelt. Statt die Endringlinge mit den Waffen der Neutrophilen zu eliminieren,
versuchen Makrophagen,
die unerwünschten Gäste einzukapseln. "Das", so die Autoren,
"führt zu Granulomen und chronischer Entzündung". Die Ergebnisse
stützen damit auch die "Hygienehypothese" von der Entstehung der
Krankheit: In einer Umwelt, die arm an Keimen ist, hat das Immunsystem
weniger Chancen, sich früh auf die Mikroben einzustellen und bei
späterem Kontakt angemessen stark zu reagieren. Möglicherweise
fördert unsere Sauberkeit damit die Ausbreitung der Krankheit. Erschienen im Newsletter 06/10 von www.doccheck.de |
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