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Ersatz-Organe aus dem Labor?
Regenerative Medizin will Menschen helfen, eine Fähigkeit
wiederzuerlangen, die sie im Laufe derEvolution weitgehend verloren haben:
Kranke undgeschädigte Körperteile zu regenerieren, also nachwachsenzu
lassen. explore:-Autor Dr. Erich Lederer sprach über die Möglichkeiten
und Zukunftsaussichtensolcher Techniken mit Professor Dr. Augustinus Bader,
Professor für Zelltechniken und angewandte Stammzellbiologiean der
Universität Leipzig.
explore:
Die regenerative Medizin ist inzwischen in der Lage, Knochen, Haut
oder auch Muskelgewebe außerhalb des Körpers zu züchten.
Wird in Zukunft der Griff ins Gewebe-Ersatzteillager die Organverpflanzung
ersetzen?
Professor Augustinus Bader:
Die regenerative Medizin kann die Transplantation nicht vollständig
ersetzen, weil wir auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein werden, Organe
wie eine ganze Niere oder ein Herz zuzüchten. Jedoch kann sie zum
Beispiel Patienten helfen, die aufgrund des Mangels an Spenderorganen
nur geringe Überlebenschancen haben. So lassen sich Organe regenerieren,
bevor sie komplett versagen.
explore:
Haben Sie dazu ein Beispiel?
Professor Augustinus Bader:
Angenommen, zu uns käme ein Patient mit einem großen Lebertumor.
Der Chirurg entfernt den Tumor und lässt nur wenige gesunde Zellen
übrig. Ein Bioreaktor außerhalb des Körpers kann dann
die Leberfunktion solange übernehmen, bis sich das Organ im Patienten
selbst wieder regeneriert hat. So kann man eine Lebertransplantation vermeiden,
die für den Patienten risikoreich und auch danach noch sehr belastend
ist.
explore:
Dabei spielen Stammzellen eine wichtige Rolle?
Professor Augustinus Bader:
Ja, insbesondere mit adulten autologen Stammzellen haben wir schon Erfolge
bei der Wiederherstellung von Knochen. Wir gewinnen sie aus dem eigenen
Knochenmark des Patienten, im Gegensatz zu den Stammzellen aus Embryonen.
Aber auch im Bereich von Herz- und Gefäßkrankheiten sind wir
mit der Erprobung solcher Stammzellen schon weit fortgeschritten.
explore:
Wird die regenerative Medizin demMenschen helfen, noch weitaus älterals
jetzt zu werden?
Professor Augustinus Bader:
Nein. Aber sie kann Menschen mitkranken Organen helfen, wieder gesund
zu werden. Dabei verlängert sie ja nicht die maximale Lebenserwartungan
sich, sondern erhöht die Chancen für den Einzelnen, auch noch
mit 85 oder 90 das aktive Leben eines Menschen ohne vorherige Krankheit
zu führen.
Erschienen im Kundenmagazin "explore, Ausgabe 1/06
der TÜV-Nord AG
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