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Wecksignale für die innere Uhr
Das Social-Jetlag stört unsere Arbeit und
macht uns krank
Dank intensiver Forschung verstehen wir immer besser,
wie die biologische Uhr unser tägliches Leben beeinflusst. Wenn wir
dieses Uhrwerk pflegen, betreiben wir Fitnesstraining für Körper
und Geist.
"Morgenstund hat Gold im Mund." Wer beim Frühstück
erst langsam anfängt, wach zu werden und sein Leistungshoch erst
in den späten Abendstunden erreicht, weiß, dass dieses Sprichwort
Nicht auf jeden passt. Manche Nachteulen gehen erst dann ins Bett, wenn
es die ersten Frühaufsteher schon wieder aus den Federn treibt.
Uhr tickt in jeder Zelle
Dass dieser Rhythmus erstaunlich stabil ist, zeigen Versuche, in denen
Forscher den Wechsel zwischen Schlafen und Wachen unabhängig von
äußeren Einflüssen untersuchten. Auch ohne Wecker, Sonnenlicht
und das Mittagessen um zwölf Uhr bleibt der künstliche Tag im
abgeschlossenen Raum gleich lang. "In der Regel sind das zwischen
24 und 25 Stunden", erklärte Till Roenneberg auf einem Workshop
über die biologische Uhr des Menschen des Euroscience Open Forum
(ESOF) vor einigen Wochen in München. Eher selten ist ein Rhythmus
von weniger 24 Stunden, die Spanne reicht jedoch von 19 bis 27 Stunden.
Der Professor für Chronobiologie an der Universität München
beschäftigt sich seit vielen Jahren wie äußere Einflüsse
die biologische Uhr des Menschen beeinflussen und sie umgekehrt unser
Leben bestimmt.
"Aber auch dieses präzise Uhrwerk muss täglich nachgestellt
werden", so der Münchner Forscher. Das Tageslicht liefert das
massgebliche Signal dafür. Eigene Nervenbahnen leiten die Information
"Licht" von den Augen an die Steuerzentrale im Gehirn. Sie regelt
Stoffwechselvorgänge, die unseren Tagesablauf mitbestimmen: Drüsen
schütten Hormone aus, die die regelmäßige Tätigkeit
von Magen, Darm und Nieren regulieren. Auch die nächtliche Ausschüttung
des Schlafhormons Melatonin wird von hier aus mitbestimmt. Wie bei einer
Funkuhr gibt der Sender dabei jedoch nur das Signal an die einzelnen Uhrwerke
weiter. "Jede Zelle des Körpers besitzt ihre eigene innere Uhr"
erklärt Roennebergs Kollegin, Martha Merrow aus dem holländischen
Groningen. Sie konnte bei Leberzellen selbst in der Petrischale Gene nachweisen,
die entsprechend der Tageszeit an- und abgestellt werden.
Social-Jetlag
Ist es nun besser, ein Frühaufsteher zu sein oder ein Langschläfer?
Brauchen Jugendliche weniger Schlaf als Ältere? Mit einem Fragebogen
versucht Roenneberg die Verteilung verschiedener "Chronotypen"
in der Bevölkerung zu ermitteln. Erste Analysen von etwa 500 Teilnehmern
ergaben, dass der Durchschnittsschlaf ohne Wecker und Nachtleben von Mitternacht
bis acht Uhr morgens dauert. "Kommt der Schlaf an den Arbeitstagen
zu kurz", so beobachtete Roenneberg, "versucht sich der Körper,
ihn an den freien Tagen zurückzuholen." Aber auch jene, die
nicht jedem Wochenende einem ausgedehnten Nachtleben frönen, kommen
mit Arbeitszeiten, die ihrem Chronotyp nicht entsprechen, nur schlecht
zurecht. Der Spätaufsteher, dessen Wecker um sechs Uhr klingelt,
kann nicht so gut konzentrieren und reagiert langsamer. "Social Jetlag",
so nennt der Münchner Chronobiologe die Zeitdifferenz zwischen dem
Rhythmus des biologischen Uhr und der Vorgabe des Arbeitgebers.
Nicht nur die Arbeitsleistung leidet unter dieser Zeitverschiebung zwischen
Innen und Außen. Je größer die Differenz, desto eher
löst der Stress den Griff zur Zigarette oder zur Kaffeetasse aus
- oder führt zu einem Laune-Tief: 70 Prozent Raucher und 12 Prozent
Depressive finden sich unter jenen mit einem Social-Jetlag von 7 Stunden.
Bei 3 Stunden oder weniger greifen nur etwa 10 Prozent zur Zigarette,
nur etwa fünf Prozent klagen über schlechte Laune.
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