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Er erschien am 8. August 2006 bei stern.de und steht Ihnen zur Zweitverwertung zur Verfügung. Bitte beachten Sie dazu meine AGB - oder setzen Sie sich am besten mit mir in Verbindung.

Wecksignale für die innere Uhr
Das Social-Jetlag stört unsere Arbeit und macht uns krank

Dank intensiver Forschung verstehen wir immer besser, wie die biologische Uhr unser tägliches Leben beeinflusst. Wenn wir dieses Uhrwerk pflegen, betreiben wir Fitnesstraining für Körper und Geist.




"Morgenstund hat Gold im Mund." Wer beim Frühstück erst langsam anfängt, wach zu werden und sein Leistungshoch erst in den späten Abendstunden erreicht, weiß, dass dieses Sprichwort Nicht auf jeden passt. Manche Nachteulen gehen erst dann ins Bett, wenn es die ersten Frühaufsteher schon wieder aus den Federn treibt.

Uhr tickt in jeder Zelle

Dass dieser Rhythmus erstaunlich stabil ist, zeigen Versuche, in denen Forscher den Wechsel zwischen Schlafen und Wachen unabhängig von äußeren Einflüssen untersuchten. Auch ohne Wecker, Sonnenlicht und das Mittagessen um zwölf Uhr bleibt der künstliche Tag im abgeschlossenen Raum gleich lang. "In der Regel sind das zwischen 24 und 25 Stunden", erklärte Till Roenneberg auf einem Workshop über die biologische Uhr des Menschen des Euroscience Open Forum (ESOF) vor einigen Wochen in München. Eher selten ist ein Rhythmus von weniger 24 Stunden, die Spanne reicht jedoch von 19 bis 27 Stunden. Der Professor für Chronobiologie an der Universität München beschäftigt sich seit vielen Jahren wie äußere Einflüsse die biologische Uhr des Menschen beeinflussen und sie umgekehrt unser Leben bestimmt.
"Aber auch dieses präzise Uhrwerk muss täglich nachgestellt werden", so der Münchner Forscher. Das Tageslicht liefert das massgebliche Signal dafür. Eigene Nervenbahnen leiten die Information "Licht" von den Augen an die Steuerzentrale im Gehirn. Sie regelt Stoffwechselvorgänge, die unseren Tagesablauf mitbestimmen: Drüsen schütten Hormone aus, die die regelmäßige Tätigkeit von Magen, Darm und Nieren regulieren. Auch die nächtliche Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin wird von hier aus mitbestimmt. Wie bei einer Funkuhr gibt der Sender dabei jedoch nur das Signal an die einzelnen Uhrwerke weiter. "Jede Zelle des Körpers besitzt ihre eigene innere Uhr" erklärt Roennebergs Kollegin, Martha Merrow aus dem holländischen Groningen. Sie konnte bei Leberzellen selbst in der Petrischale Gene nachweisen, die entsprechend der Tageszeit an- und abgestellt werden.
Social-Jetlag
Ist es nun besser, ein Frühaufsteher zu sein oder ein Langschläfer? Brauchen Jugendliche weniger Schlaf als Ältere? Mit einem Fragebogen versucht Roenneberg die Verteilung verschiedener "Chronotypen" in der Bevölkerung zu ermitteln. Erste Analysen von etwa 500 Teilnehmern ergaben, dass der Durchschnittsschlaf ohne Wecker und Nachtleben von Mitternacht bis acht Uhr morgens dauert. "Kommt der Schlaf an den Arbeitstagen zu kurz", so beobachtete Roenneberg, "versucht sich der Körper, ihn an den freien Tagen zurückzuholen." Aber auch jene, die nicht jedem Wochenende einem ausgedehnten Nachtleben frönen, kommen mit Arbeitszeiten, die ihrem Chronotyp nicht entsprechen, nur schlecht zurecht. Der Spätaufsteher, dessen Wecker um sechs Uhr klingelt, kann nicht so gut konzentrieren und reagiert langsamer. "Social Jetlag", so nennt der Münchner Chronobiologe die Zeitdifferenz zwischen dem Rhythmus des biologischen Uhr und der Vorgabe des Arbeitgebers.
Nicht nur die Arbeitsleistung leidet unter dieser Zeitverschiebung zwischen Innen und Außen. Je größer die Differenz, desto eher löst der Stress den Griff zur Zigarette oder zur Kaffeetasse aus - oder führt zu einem Laune-Tief: 70 Prozent Raucher und 12 Prozent Depressive finden sich unter jenen mit einem Social-Jetlag von 7 Stunden. Bei 3 Stunden oder weniger greifen nur etwa 10 Prozent zur Zigarette, nur etwa fünf Prozent klagen über schlechte Laune.

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