 |
Wecksignale für die innere Uhr
Licht gegen Alters-Demenz
Mit zunehmendem Alter wird es immer schwieriger, die inneren Uhrzeiger
wieder nach dem Tagesrhythmus einzustellen. So nimmt das Schlafbedürfnis
bei Senioren nicht allein generell ab. Aber Mehr nog zur "richtigen"
Zeit schlafen, ist für Ältere oft ein Problem. Auch die Melatonin-Ausschüttung
lässt im Alter immer mehr nach.
Den Grund dafür sehen die Forscher in der nachlassenden Aktivität
des Steuerzentrums: Über der Kreuzung der Sehnerven sitzt der "Superchiasmatische
Nukleus", ein Nervenknoten in der Größe eines Reiskorns.
Versuche an älteren Ratten mit gestörtem Schlafrhythmus zeigen,
dass mit zunehmendem Alter diese Nervenzellen zwar nicht absterben, aber
an Aktivität verlieren. Regelmäßige Gabe von ausreichend
Licht weckt diese Zellen wieder auf.
Dass ausreichend Licht auch bei älteren und dementen Menschen im
Kampf gegen Ruhelosigkeit und seinen Folgen erfolgreich ist, konnte Eus
van Someren vom Nniederländischen Institut für Gehirnforschung
Neurowissenschaft zeigen. In mehreren Seniorenheimen ließ er in
den Zimmern starke Lichtkästen ähnlich wie Dachfenster installieren,
die wie künstliches Sonnenlicht tagsüber in Betrieb waren. Außerdem
unterstützte er diese Reaktivierung der inneren Uhr durch eine tägliche
Melatoningabe. Nach einer Beobachtungszeit von mehr alsbis dreieinhalb
Jahren an rund 190 Personen werden die Erfolge einer solchen Therapie
deutlich. Beide Faktoren zusammen lassen die behandelten Senioren gegenüber
der Kontrollgruppe besser und regelmäßiger schlafen. Depressionen,
ein häufiges Problem in Pflegeanstalten, kommen bei ausreichender
Beleuchtung seltener vor. Zusammen können die beiden Stimuli den
geistigen Verfall deutlich verlangsamen und wirken "besser als ein
gängiges Alzheimermedikament", wie van Someren betont.
Schizophenie-Patienten ohne Takt
"Ein gestörter Schlafrhythmus ist ein wichtiges Vorzeichen für
ein ernsthaftes mentales Problem" erklärt Russell Foster, Neurologe
am Londoner Imperial College. Sein Untersuchungsklientel sind Patienten
mit Schizophrenie, deren Gehirn häufig realitätsfremde Wahnvorstellungen
produziert. Bei diesen Kranken ist die biologische Uhr oft völlig
außer Takt geraten. Sie gehen zwischen zwei und vier Uhr ins Bett
und stehen oft erst um die Mittagszeit auf. Entsprechend unregelmäßig
ist auch ihr Melatoninspiegel. "Nicht selten lässt sich die
innere Uhr dieser Patienten überhaupt nicht mehr verstellen, ihre
Schlafzeiten ändern sich von Woche zu Woche" erzählt Foster.
Auch ihnen soll eine Therapie mit künstlichem Tageslicht helfen,
wieder zu einem regelmäßigen Leben zurückzufinden.
Erst langsam fangen Chronobiologen an zu verstehen, wie die Gene der biologischen
Uhr und die entsprechenden Gehirnregionen unser tägliches Leben beeinflussen.
Immer deutlicher wird jedoch, dass wir sich unsere Leistung erhöht,
wenn wir unsere Arbeitszeiten entsprechend diesem inneren Rhythmus ausrichten
sollten und nicht umgekehrt. In einer Zeit, in der wir unter der Woche
die Sonne oft nur selten sehen, kann uns als Ersatz zumindest ausreichende
helle Beleuchtung helfen, dass die Schaltzentrale in unserm Gehirn mit
zunehmendem Alter nicht verkümmert. Der tägliche Spaziergang
oder die helle Wohnung sind dabei besser und günstiger als manches
Anti-Depressionsmittel.
|