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Er erschien am 8. August 2006 bei stern.de und steht Ihnen zur Zweitverwertung zur Verfügung. Bitte beachten Sie dazu meine AGB - oder setzen Sie sich am besten mit mir in Verbindung.

Wecksignale für die innere Uhr

Licht gegen Alters-Demenz
Mit zunehmendem Alter wird es immer schwieriger, die inneren Uhrzeiger wieder nach dem Tagesrhythmus einzustellen. So nimmt das Schlafbedürfnis bei Senioren nicht allein generell ab. Aber Mehr nog zur "richtigen" Zeit schlafen, ist für Ältere oft ein Problem. Auch die Melatonin-Ausschüttung lässt im Alter immer mehr nach.

Den Grund dafür sehen die Forscher in der nachlassenden Aktivität des Steuerzentrums: Über der Kreuzung der Sehnerven sitzt der "Superchiasmatische Nukleus", ein Nervenknoten in der Größe eines Reiskorns. Versuche an älteren Ratten mit gestörtem Schlafrhythmus zeigen, dass mit zunehmendem Alter diese Nervenzellen zwar nicht absterben, aber an Aktivität verlieren. Regelmäßige Gabe von ausreichend Licht weckt diese Zellen wieder auf.

Dass ausreichend Licht auch bei älteren und dementen Menschen im Kampf gegen Ruhelosigkeit und seinen Folgen erfolgreich ist, konnte Eus van Someren vom Nniederländischen Institut für Gehirnforschung Neurowissenschaft zeigen. In mehreren Seniorenheimen ließ er in den Zimmern starke Lichtkästen ähnlich wie Dachfenster installieren, die wie künstliches Sonnenlicht tagsüber in Betrieb waren. Außerdem unterstützte er diese Reaktivierung der inneren Uhr durch eine tägliche Melatoningabe. Nach einer Beobachtungszeit von mehr alsbis dreieinhalb Jahren an rund 190 Personen werden die Erfolge einer solchen Therapie deutlich. Beide Faktoren zusammen lassen die behandelten Senioren gegenüber der Kontrollgruppe besser und regelmäßiger schlafen. Depressionen, ein häufiges Problem in Pflegeanstalten, kommen bei ausreichender Beleuchtung seltener vor. Zusammen können die beiden Stimuli den geistigen Verfall deutlich verlangsamen und wirken "besser als ein gängiges Alzheimermedikament", wie van Someren betont.

Schizophenie-Patienten ohne Takt
"Ein gestörter Schlafrhythmus ist ein wichtiges Vorzeichen für ein ernsthaftes mentales Problem" erklärt Russell Foster, Neurologe am Londoner Imperial College. Sein Untersuchungsklientel sind Patienten mit Schizophrenie, deren Gehirn häufig realitätsfremde Wahnvorstellungen produziert. Bei diesen Kranken ist die biologische Uhr oft völlig außer Takt geraten. Sie gehen zwischen zwei und vier Uhr ins Bett und stehen oft erst um die Mittagszeit auf. Entsprechend unregelmäßig ist auch ihr Melatoninspiegel. "Nicht selten lässt sich die innere Uhr dieser Patienten überhaupt nicht mehr verstellen, ihre Schlafzeiten ändern sich von Woche zu Woche" erzählt Foster. Auch ihnen soll eine Therapie mit künstlichem Tageslicht helfen, wieder zu einem regelmäßigen Leben zurückzufinden.

Erst langsam fangen Chronobiologen an zu verstehen, wie die Gene der biologischen Uhr und die entsprechenden Gehirnregionen unser tägliches Leben beeinflussen. Immer deutlicher wird jedoch, dass wir sich unsere Leistung erhöht, wenn wir unsere Arbeitszeiten entsprechend diesem inneren Rhythmus ausrichten sollten und nicht umgekehrt. In einer Zeit, in der wir unter der Woche die Sonne oft nur selten sehen, kann uns als Ersatz zumindest ausreichende helle Beleuchtung helfen, dass die Schaltzentrale in unserm Gehirn mit zunehmendem Alter nicht verkümmert. Der tägliche Spaziergang oder die helle Wohnung sind dabei besser und günstiger als manches Anti-Depressionsmittel.

-> Social Jetlag

 

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