Geräusche werden zu Bildern
Die neue Technik heißt "Vibration Response Imaging"
(VRI), und meint die bildgebende Darstellung von Schwingungsresonanzen,
die durch die strömende Luft in der Lunge entstehen. Der Vorteil:
Die Untersuchung arbeitet ohne Strahlung und liefert eine Serie von Bildern,
die nicht nur Strukturveränderungen zeigt, sondern auch Informationen
über die Lungenfunktion in Echtzeit liefert.
Hochempfindliche Mikrophone auf dem Rücken des Patienten fangen die
Schwingungen des Lungengewebes und seiner Umgebung beim Atmen auf. Die
dazugehörige Software wandelt die Signale in Grautöne um, die
auf dem Bildschirm erscheinen und gleich abgespeichert werden können.
Alle 0,2 Sekunden entsteht dabei ein neues Bild, sodass Arzt und Patient
die Wege des Luftstroms zu jedem Zeitpunkt des Atemzugs erkennen. Ist
er behindert, so bleibt das Bild in dieser Region weiß.
Wenn es nach den Entwicklern der israelischen Firma "Deep
Breeze" geht, liegt in der VRI-Technologie die Zukunft der Lungendiagnostik
und soll belastende Röntgenaufnahmen , aber auch aufwändige
Methoden wie die Kernspintomographie
ablösen, wo immer es möglich ist. Das digitale Abhören
der Lunge hilft sowohl bei der Diagnose
als auch bei der Therapiekontrolle verschiedener Erkrankungen, wie Asthma,
chronisch obstruktiver Lungenerkrankung oder Pleuraerguss.
Bei Lungentransplantationen stellt das System nach Ansicht vom Professor
Mordechai Kramer vom Rabin Medical Center in Tel Aviv einen enormen Fortschritt
da: "Wir können nun die Lungenfunktion unserer transplantierten Patienten
viel effektiver und ohne invasiven Eingriff bestimmen." Dem Chirurgen
zeigt das Bild auf dem Monitor genau, wo er sein Messer ansetzen muss.
Erfolgversprechende Studien
Die Idee, das Stethoskop
als eines der ältesten noch gebräuchlichen ärztlichen
Instrumente zu digitalisieren, kam dem Kinderarzt Igal Kushnir vor etwa
fünf Jahren. Bisherige Versuche scheiterten jedoch immer an der
Umsetzung in entsprechende Algorithmen. Aus der Zusammenarbeit mit dem
Mathematiker Meir Butbul entstand es innerhalb weniger Wochen ein Programm,
das erstmals ein Bild einzelner Lungenlappen entsprechend den Lungengeräuschen
darstellte.
Nach vielversprechenden Ergebnissen kleinerer Studien in Israel, Großbritannien
und den USA möchte sich "Deep Breeze" nun auch den deutschen Markt
erschließen. Wenn die entsprechenden Ethikkommissionen zustimmen,
sollen größer angelegte Untersuchungen in den nächsten
Wochen in Heidelberg, Fürth und Hannover beginnen. Läuft alles
gut, könnte es in einigen Jahren sogar in kleineren Arztpraxen
heißen: "Zweimal tief durchatmen - Aufnahme läuft"!
Erschienen im Newsletter 06/03 von www.doccheck.de