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Antibiotische Gene
Wie sich das Erbgut des Menschen auf die Bedrohung
durch Mikroben einstellt
Die Opfer der Vogelgrippe in Ostasien hatten vielleicht nicht die richtigen
Gene, um die Krankheit zu überstehen. Wenn die Theorie von Hiroshi
Kida und Robert Webster richtig ist, wäre die Infektion mit dem H5N1-Virus
ein weiteres Beispiel für den Einfluss des menschlichen Erbguts auf
den Verlauf schwerer Infektionskrankheiten. Malaria, Hepatitis oder AIDS,
sie alle rufen ernste und oft tödliche Erkrankungen hervor. Aber
nicht alle Menschen, die sich anstecken, erkranken auch. Es scheint so,
als ob sich die Mikroben ihre Opfer förmlich auszusuchen. Doch das
Gegenteil, so glauben Forscher seit kurzem zu wissen, ist der Fall: Der
Mensch - beziehungsweise seine Gene - sucht sich seine Krankheiten aus.
Die Vogelgrippe ist offenbar das jüngste Beispiel dafür. Innerhalb
der betroffenen Familien infizierte das Virus meist Geschwister oder Kinder
und Mutter oder Vater, jedoch niemals beide Ehepartner gleichzeitig. Nach
Ansicht von Webster, dem Mitentdecker der Krankheit, und seinem Kollegen
entscheiden damit die Gene des Opfers über den Verlauf des Virenangriffs.
So besitzen die meisten Menschen auf ihren Zellen ein Protein mit dem
Zuckermolekül alpha-2,6-Neuraminsäure, an dem zwar normale Grippeviren,
nicht aber H5N1 andocken kann. "Ich glaube, dass die Infizierten
den alpha-2,3-Rezeptor haben", verkündete Kida vor wenigen Wochen
auf einem Kongress in Singapur. Der Virologe von der japanischen Hokkaido
Universität will nun in bei infizierten Überlebenden in Südost-Asien
nach Beweisen suchen, dass sie aufgrund ihres Erbguts den falschen Rezeptor
auf ihren Zellen trugen.
Balance zwischen Schaden und Nutzen
Ein klassisches Beispiel für die Kompromisse, die die Evolution des
Menschen im Kampf gegen Mikroben eingeht, ist die Malaria. So finden sich
in Malaria-Gebieten recht häufig Veränderungen bei Genen, die
eine Thalassämie und Sichelzellenanämie hervorrufen, eine Schädigung
der roten Blutkörperchen, die nicht selten tödliche Konsequenzen
hat. Weil sich die Erreger der Tropenkrankheit in diesen Menschen jedoch
nicht vermehren können, haben Heterozygote, bei denen nur eines der
beiden Chromosomen geschädigt ist, einen deutlichen Vorteil im Kampf
gegen die Krankheit. In anderen Gebieten dagegen wird der Fehler im Bauplan
zur Belastung. "In den Bergen dieser Gebiete" so erläutert
Andreas Huber vom Zentrum für Labormedizin im Kantonsspital Aarau,
"wo die Malaria weniger verbreitet ist, finden sich auch weniger
dieser Defekte."
Bei Leberentzündungen bestimmt die Mitgift vergangener Generationen
mit, ob es Hepatitis-B Viren gelingt, sich dauerhaft im Körper einzunisten
oder ob die Attacke erfolgreich zurückgeschlagen wird. Wie Forschergruppen
aus den USA und dem Iran in ihren Veröffentlichungen im Journal of
Virology und dem World Journal of Gastroenterology berichten, hängt
der Kampfausgang anscheinend davon ab, welche der Varianten von CTLA-4
im Körper vorhanden ist. Das Molekül auf der Oberfläche
weißer Blutkörperchen ist ein wichtiges Rädchen im Regelungsmechanismus
der Immunantwort. Ein einziger Austausch eines Buchstabens im Code "ist
mit einer Perstenz des Virus (Anm. = Verbleib des Virus im Körper)
verbunden", so Chloe Thilo von der Johns Hopkins Klinik in Baltimore
in ihrem Artikel. Auch bei zahlreichen anderen Störungen des Immunsystems
wie Rheuma oder Schilddrüsenerkrankungen bestimmt dieser Faktors
den Verlauf der Krankheit mit.
Mit dem falschen Erbanlagen hat eine harmlose Vireninfektion manchmal
tödliche Konsequenzen. Etwa 85 Prozent der Weltbevölkerung sind
mit dem dem Epstein-Barr Virus infiziert. Die meisten Kinder überstehen
diesem Virenangriff. unbemerkt. Ist an einer Stelle des Geschlechtschromomsoms
X jedoch ein einzelner DNS-Baustein ausgetauscht, geraten Infektion und
die Immunabwehr so außer Kontrolle, dass mehr als zwei Drittel der
betroffenen Jungen daran sterben.
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