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Antibiotische Gene
Der Gencode entscheidet, ob das Medikament wirkt
Nicht nur bei der Infektion selber, sondern auch bei der Behandlung spielt
das Erbgut des betroffenen Menschen eine wichtige Rolle: Amalio Telenti
vom Institut für Mikrobiologie an der Universität Lausanne konnte
mit seinem Team zeigen, dass eine Veränderung im Gen eines Leber-Enzyms
die Behandlung von AIDS-Kranken beeinflusst. Bei rund einem Viertel aller
Weissen sorgt sie dafür, dass die anti-HIV Medikamente Efavirenz
und Nevapirin nicht so schnell abgebaut werden und daher viel effektiver
wirken als beim Rest der Bevölkerung. Bei Schwarzen liegt der Bevölkerungsanteil
mit dieser Variante mit der Bezeichnung Cyp2B6 noch um 10-20 Prozent höher.
Ein solcher Vorteil kann aber kaum vererbt worden sein. Der HIV-Spezialist
erklärt die unterschiedliche Verteilung in den verschiedenen Rassen
mit dem Druck, den die Evolution auf solche Stoffwechselfaktoren ausübt.
"Diese Gene benötigt der Mensch, um mit Stoffen in unserer Nahrung,
aber auch Giftstoffen fertig zu werden. Deren Vorkommen", so Telenti
weiter, "ist aber in den verschiedenen Regionen der Welt ganz unterschiedlich
und führt zu einer unterschiedlichen Verteilung der entsprechenden
Varianten". Erst bei der Reaktion auf Medikamente fänden die
Forscher nun die Unterschiede zwischen den Menschen.
Nicht nur bei Infektionen, sondern auch bei vielen anderen Erkrankungen
spielen im Bauplan unseres Körpers die Stellen eine Rolle, an denen
die Natur unterschiedliche Teile für die gleiche Funktion verwendet,
im Fachjargon Polymorphismen genannt. Um sie zu entdecken, wurde vor einigen
Jahren das HapMap-Projekt (siehe Kasten) gestartet. Auch die Gruppe aus
Lausanne nimmt an diesem globalen Forschungsprojekt teil. Die Wissenschaftler
suchen dabei nach Faktoren, die den Verlauf von AIDS beeinflussen.
Je mehr die Humangenetik darüber weiß, wie sich unsere Gene
von denen unseres Nachbarn unterscheiden, desto mehr werden diese Kenntnisse
wohl auch in Gentests münden, um Krankheiten zu verhindern oder mit
den richtigen Mitteln zu heilen. In der Krebsmedizin, so Telenti, hülfen
solche Tests schon jetzt bei der Suche nach der besten Medizin. "Ich
glaube, dass wir in den nächsten Jahren in der Klinik immer mehr
Gebrauch von solchen Tests machen werden". Möglicherweise kann
ein solcher Test auch erklären, warum der Vogelgrippe-Virus bisher
erstaunlich wenige Opfer gefordert hat.
Lesen Sie weiter: Das Hap-Map-Projekt
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