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Er erschien am 28.Mai 2006 in der Schweizer Sonntagzeitung und steht Ihnen zur Zweitverwertung zur Verfügung. Bitte beachten Sie dazu meine AGB - oder setzen Sie sich am besten mit mir in Verbindung.

Antibiotische Gene
Der Gencode entscheidet, ob das Medikament wirkt

Nicht nur bei der Infektion selber, sondern auch bei der Behandlung spielt das Erbgut des betroffenen Menschen eine wichtige Rolle: Amalio Telenti vom Institut für Mikrobiologie an der Universität Lausanne konnte mit seinem Team zeigen, dass eine Veränderung im Gen eines Leber-Enzyms die Behandlung von AIDS-Kranken beeinflusst. Bei rund einem Viertel aller Weissen sorgt sie dafür, dass die anti-HIV Medikamente Efavirenz und Nevapirin nicht so schnell abgebaut werden und daher viel effektiver wirken als beim Rest der Bevölkerung. Bei Schwarzen liegt der Bevölkerungsanteil mit dieser Variante mit der Bezeichnung Cyp2B6 noch um 10-20 Prozent höher.
Ein solcher Vorteil kann aber kaum vererbt worden sein. Der HIV-Spezialist erklärt die unterschiedliche Verteilung in den verschiedenen Rassen mit dem Druck, den die Evolution auf solche Stoffwechselfaktoren ausübt. "Diese Gene benötigt der Mensch, um mit Stoffen in unserer Nahrung, aber auch Giftstoffen fertig zu werden. Deren Vorkommen", so Telenti weiter, "ist aber in den verschiedenen Regionen der Welt ganz unterschiedlich und führt zu einer unterschiedlichen Verteilung der entsprechenden Varianten". Erst bei der Reaktion auf Medikamente fänden die Forscher nun die Unterschiede zwischen den Menschen.

Nicht nur bei Infektionen, sondern auch bei vielen anderen Erkrankungen spielen im Bauplan unseres Körpers die Stellen eine Rolle, an denen die Natur unterschiedliche Teile für die gleiche Funktion verwendet, im Fachjargon Polymorphismen genannt. Um sie zu entdecken, wurde vor einigen Jahren das HapMap-Projekt (siehe Kasten) gestartet. Auch die Gruppe aus Lausanne nimmt an diesem globalen Forschungsprojekt teil. Die Wissenschaftler suchen dabei nach Faktoren, die den Verlauf von AIDS beeinflussen.
Je mehr die Humangenetik darüber weiß, wie sich unsere Gene von denen unseres Nachbarn unterscheiden, desto mehr werden diese Kenntnisse wohl auch in Gentests münden, um Krankheiten zu verhindern oder mit den richtigen Mitteln zu heilen. In der Krebsmedizin, so Telenti, hülfen solche Tests schon jetzt bei der Suche nach der besten Medizin. "Ich glaube, dass wir in den nächsten Jahren in der Klinik immer mehr Gebrauch von solchen Tests machen werden". Möglicherweise kann ein solcher Test auch erklären, warum der Vogelgrippe-Virus bisher erstaunlich wenige Opfer gefordert hat.

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-> Balance zwischen Schaden und Nutzen

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