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Er erschien am 28. Januar 2007 in der Schweizer Sonntagszeitung und steht Ihnen zur Zweitverwertung zur Verfügung. Bitte beachten Sie dazu meine AGB - oder setzen Sie sich am besten mit mir in Verbindung.
ArchivTodesursache: Unbekannt
Forscher vermuten mehrere Auslöser, die zum plötzlichen Kindstod führen können

Da lag er. Sein kleines Gesichtchen war blau. «Ich hob ihn hoch, drehte ihn auf den Kopf und klopfte ihm auf den Rücken», sagt Franziska Tangl. Sechs Wochennach der Geburt hatte ihr SohnMarcus plötzlich aufgehört zu atmen. Die herbeigerufenen Sanitäter konnten nur noch den Tod feststellen.

Der plötzliche Kindstod ist für die Eltern ebenso unfassbar wie für die Mediziner. Das Ereignissteckt noch immer voller Rätsel.Während einige Forscher in Gehirnund Erbgut betroffener Kindernach dem Auslöser für das Aussetzen der Vitalfunktionensuchen, glauben andere Experten nicht mehr an eine einzige Todesursache.

Sids-Fälle nehmen ab – alle Studien sind daher sehr klein
Dank Aufklärungskampagnen – etwa über die Gefahren von Bauchlage oder grossen Duvets in der Wiege – ist die Zahl der Fälle von plötzlichem Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome, Sids) in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Starben 1989 in der Schweiz noch rund 100 Babys daran, waren es im Jahr 2004 nur noch 13. Der Ursache des Kindstods ist man trotz sinkender Sterberate kaum näher gekommen. Einem möglichen Sids-Auslöser glauben Wissenschaftler von der Kinderklinik in Boston jetzt auf der Spur zu sein. Sie verglichen die Gehirne von 31 Säuglingen, die in Kalifornien am unerwarteten Kindstod gestorben waren, mit jenen von Gleichaltrigen, die aus anderen Gründen verstorben waren.

In der Medulla Oblongata, dem Übergang von Gehirn zu Rückenmark, wurden Hannah Kinney und ihre Kollegen fündig. In dieser Region des Stammhirns, die etwa Atmung, Herzschlag, Körpertemperatur und auch Einschlafen und Aufwachen reguliert, zeigten sich bei den Sids-Opfern veränderte Nervenzellen. Zum einen fanden die Forscher vermehrt Nervenzellen, die ihre Signale über den Botenstoff Serotonin weiterleiten, wie sie kürzlich im «Journal of the American Medical Association» vermeldeten, zum anderen waren bestimmte Bindungsstellen für den Botenstoff vermindert. Ob die Veränderungen direkt mit dem tödlichen Atemstillstand zusammenhängen, ist unklar. Die Bostoner wiesen jedoch nach, dass die Anzahl der Bindungsstellen für Serotonin bei den männlichen Babys niedriger als bei weiblichen war. Das spiegelt auch die Geschlecherterverteilung des Sids wider: Etwa doppelt so viele Jungen wie Mädchen sind betroffen. Bei den Sids-Kindern versagt gemäss Kinney und ihren Kollegen im Schlaf der Alarmplan. Vergraben sie ihren Kopf im Kissen, der Bettdecke oder einer weichen Matratze, sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut, während die Kohlendioxidmenge zunimmt. «Gesunde Kinder wachen auf, drehen ihren Kopf und atmen schneller, wenn der CO2-Spiegel steigt», so die Forscher.

An einem ganz anderen Ort suchte eine Forschergruppe aus Italien, Norwegen und den USA nach der Ursache des Sids: im Erbgut. Sie untersuchten das Genmaterial von 201 norwegischen Kindstodopfern und verglichen es mit jenem von 183 anderen Kindern. Dabei zeigte sich, so schreiben die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift «Circulation», dass rund zehn Prozent der Sids-Kinder genetische Veränderungen hatten, die Herzrhythmusstörungen begünstigen. In der Vergleichsgruppe fanden sich die Genvarianten bei keinem einzigen Patienten. «Das zeigt, dass die Anfälligkeit für Herzrhythmusstörungen eine wichtige genetische Einflussgrösse für Sids sein könnte», sagt Alfred George von der Vanderbilt University in Nashville. Andere Studienergebnisse aus jüngster Zeit hatten Hinweise auf einen Zusammmenhang von Sids mit bestimmten Bakterieninfektionen oder auch mit Stress in der Schwangerschaft gefunden. Doch alle Studien haben ein grosses Manko: Sie sind sehr klein. Der Grund dafür sind die – eigentlich begrüssenswerten – sinkenden Fallzahlen.

Experte glaubt, dass es Sids gar nicht gibt
Bei der Vielfalt von möglichen Einflussgrössen glaubt Sids-Experte Gerhard Jorch von der Kinderklinik im deutschen Magdeburg nicht mehr an eine einzige Todesursache: «Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass es Sids gar nicht gibt.» Möglicherweise sei das Syndrom vielmehr ein Sammeltopf unerklärlicher Todesfälle von Kindern im ersten Lebensjahr. Martin Sutter, Präsident der Sids-Kommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie, teilt diese Ansicht: «Nicht alle Kinder sterben den gleichen Tod. Manchmal versagt die Atmung, ein anderes mal der Kreislauf oder es kommt zu Infarkten. » Einen Sids-Risikotest wird es daher – darin sind sich die Experten einig – in naher Zukunft trotz neuer Forschungsergebnisse wohl nicht geben. 

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Tipps zum Vorbeugen
  
  • Sorgen Sie für eine rauchfreie Umgebung.
  • Legen Sie Ihr Kind zum Schlafen auf den Rücken.
  • Eine Schlafzimmertemperatur von 18°C ist ideal. Ist dem Baby zu warm, wacht es bei Gefahr weniger leicht auf.
  • Die Kinder sollten im eigenen Bett im Elternschlafzimmer und nicht im Elternbett schlafen.
  • Ein Schlafsack oder Jumbo verhindert, dass sie mit dem Gesicht unter die Decke rutschen können.
  • Die Muttermilch im ersten halben Jahr stärkt das Immunsystem des Babys.

 

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