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Ihnen dieser Artikel? Er erschien am 22.April 2007 in der Schweizer Sonntagszeitung und steht Ihnen zur Zweitverwertung zur Verfügung. Bitte beachten Sie dazu meine AGB - oder setzen Sie sich am besten mit mir in Verbindung. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Kopfschmerzen statt Erektion Das Internet macht auch die Schweiz zu einem Markt für Arzneimittelfälscher Sie sollen Leben retten, doch Medikamente können auch den Tod bringen. Vor allem, wenn sie gefälscht sind. Schätzungen des amerikanischen Center for Medicines in the Public Interest (CMPI) zufolge sterben durch gefälschte oder minderwertige Medikamente allein in China pro Jahr zwischen 200 000 und 300 000 Menschen. Nahezu 500 illegale Arzneimittelfabriken wurden 2005 im Reich der Mitte enttarnt. Kriminelle Arzneimittelfälschung und der Handel damit scheint zu einem der lukrativsten Geschäfte unserer Zeit zu werden. Etliche der kleinen Produktionsstätten haben sich auf Tamiflu spezialisiert, das Präparat, das im Kampf gegen die Vogelgrippe helfen soll. Im letzten Jahr tauchten auch in der Schweiz schlechte Tamiflu- Kopien auf. Statt des wirksamen Anti-Viren-Wirkstoffs enthielten die Präparate Paracetamol, ein Mittel gegen Kopfschmerzen und Fieber. Im Kampf gegen das H5N1-Virus wären die Tabletten völlig nutzlos gewesen. Achtzehn Fälle von versuchter Arzneimittelfälschung, die den Schweizer Markt betreffen, wurden 2006 entdeckt. In Spitälern und Apotheken tauchten zwar keine gefälschten Präparate auf, doch die Zahl der Delikte nimmt zu: Nach Angaben des Pharmaceutical Security Institute (PSI), einer Vereinigung von Arzneimittelproduzenten, wurden 2004 in der EU 43 Fälschungsfälle aufgedeckt, 2005 waren es schon 130. Besonders das Internet bereitet Experten wie Kathrin Wyss von Swissmedic Sorge: «Über den Online- Schwarzmarkt haben wir keine Kontrolle», sagt die Leiterin Marktuüberwachung bei der Arzneimittelbehörde. «Dabei handelt es sich bei uns vornehmlich um Präparate, fuür die eine hohe Schamschwelle besteht, also Erektionsförderer wie Viagra oder auch Abnahmemittel.» Weltweit sind zehn Prozent der Medikamente gefälscht Als wichtigste Produzenten solcher Lifestyle-Präparate gelten Indien, China und die Staaten des Vorderen Orients. Dazu kommen laut Wyss Cholesterinsenker aus Grossbritannien und Nahrungsergänzungsmittel aus den Benelux- Staaten, wo die Zulassung pflanzlicher Präparate anders geregelt ist als in der Schweiz. Nicht immer sind gefälschte Arzneimittel unwirksam, oft haben sie, so die Definition der Weltgesundheitsbehörde WHO, «falsche Angaben über die Identität und/oder den Lieferanten». Fälschungen mit hoher Qualität enthalten meist den richtigen Wirkstoff, solche mit geringer Qualität dagegen oft den falschen Wirkstoff oder zu wenig davon. Die WHO geht davon aus, dass weltweit etwa zehn Prozent aller Arzneimittel nachgemacht sind, in Entwicklungsländern gar 25 bis über 50 Prozent. Genaue Zahlen gibt es kaum, denn die Hersteller sind mit Berichten über das Ausmass der Kopien ihrer Produkte zurückhaltend. Der Grund: Aus Medienberichten über gesundheitliche Schäden könnten leicht wirtschaftliche Nachteile gegenüber der Konkurrenz entstehen. Das Internet hebt die Schranken des globalen Handels auf. Wie die deutsche Stiftung Warentest in einer Umfrage zum Thema Schlankheitspillen mit über 3000 Befragten erfuhr, haben sich rund 14 Prozent aller Teilnehmer schon einmal Abnahmepräparate per Mausklick bestellt. Pfizer rüstet Viagra-Pillen mit einem Funkchip aus Auch über die Folgen dieser Experimente berichten die Befragten: Herzrasen, Kreislaufprobleme, Niedergeschlagenheit – Nebenwirkungen, die nur sehr selten auf den Beipackzetteln der meist asiatischen Hersteller verzeichnet waren. 13 von 16 getesteten Schlankheitspillen aus dem Netz enthielten gefährliche Inhaltsstoffe wie Ephedrin, einen Suchtstoff, der in hoher Konzentration zum Tod führt, oder Yohimbin, das blutdrucksteigernd wirkt und daher verschreibungspflichtig ist. Im Kampf gegen die Fälschungen setzen grosse Firmen auf Zusammenarbeit und Technik: So rüstet etwa der Viagra-Hersteller Pfizer seit Dezember 2005 die Packungen seines Potenzmittels für die USA mit kleinen RFID-Funkchips aus, die Auskunft über die Herkunft geben. Den Online-Schnäppchenjägern redet derweil Kathrin Wyss ins Gewissen: «Medikamente soll man sich nicht einfach bläugig aus dem Internet bestellen.» Denn wegen ihrer Bedeutung für die Gesundheit seien sie zulassungspflichtig. Weiter rät Wyss, sich im Zweifelsfall an eine Medizinalperson zu wenden, um ein geeignetes Medikament für die Beschwerden zu bekommen. Ausführlichere Informationen im Internet: www.swissmedic.ch/ files/pdf/Internetleitfaden-D.pdf Wollen Sie sich im Internet über Medikamente informieren, sollten Sie auf diese Punkte achten:
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